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Kleines Bollwerk gegen den Klimawandel

NABU-Schutzgebiet "Amphibienparadies" hat sich prächtig entwickelt

 Der Vierfleck - eine kältetolerante Art - kann im Amphibienparadies dem 
Klimawandel trotzen.

Der Vierfleck - eine kältetolerante Art - kann im Amphibienparadies dem Klimawandel trotzen.

NABU MKK / Steinau: "Klein aber fein" ist wohl die beste Beschreibung für das nur etwa 1,7 ha große Schutzgebiet, dass der NABU Steinau in Zusammenarbeit mit dem NABU Kreisverband Main-Kinzig in den letzten Jahren entwickelt hat. Ein "Paradies für Amphibien" wollten wir 1999 entwickeln - und das ist uns auch gelungen, freut sich Franz-Josef Jobst vom NABU Steinau.

Das NABU- Schutzgebiet "Amphibienparadies" liegt östlich des Steinauer Stadtteils Marborn im Tal des Ulmbaches. Das "Amphibienparadies" selbst besteht aus einer Teichgruppe von insgesamt 8 Teichen, die teilweise als kleine hantelförmige Doppelteiche gestaltet wurden. Gespeist wird die Teichgruppe vor allem aus einer kalkhaltigen Hang-quelle, die gut 100 m östlich in einem Hangwald entspringt. Zwischen der Teichgruppe und dem Ulmbach bereichert ein kleines Auwäldchen mit Schwarzerlen und Pappeln die kleine Teichlandschaft

Die sogenannten "Heldmannschen Teiche" der ehemaligen Steinauer Gärtnerei Heldmann wurden bereits in den 1960er Jahren als Fischteiche angelegt. Nach der Auflassung der Teiche verlandeten die Stillgewässer weitgehend und wurden von aufwachsen-den Gehölzen überschattet.

Seit 1999/2000 wurden die fast verfallenen Teichanlagen als "Amphibienparadies" vom NABU Steinau teilweise mit UNB- Naturschutzmitteln, teilweise im Rahmen des Ökopunktekontos der Stadt Steinau zu neuem Leben erweckt. Unter der Anleitung von Rolf und Elke Weber und mit tatkräftiger Unterstützung der NABU Kinder- und Jugendgruppe "Die Waldmäuse" wurden die Teiche entschlammt, vergrößert und neu ausgeformt sowie von Gehölzen befreit. 2007 wurde noch ein südlich angrenzendes Wiesengrundstück mit einem artenreichem Quellsumpf durch den Naturschutzverband erworben.

Das Amphibienparadies - ein kleines, aber artenreiches Schutzgebiet

Das Amphibienparadies - ein kleines, aber artenreiches Schutzgebiet

Getreu dem Motto "Für Mensch & Natur" ist es auch Ziel des NABU, die örtliche Bevölkerung einzubeziehen und Teile des Gebietes für Naturinteressierte und insbesondere Kinder zugänglich zu machen. Da das Schutzgebiet am Rande eines beliebten Wanderweges liegt, wird es oft von Wanderern oder Spaziergängern zur stillen Erholung genutzt.

Nach den Zielvorstellungen des NABU soll sich das "Amphibienparadies" als Refugium für seltene Arten entwickeln, erklärt Franz-Josef Jobst, der auch stellvertretender Vorsitzender des NABU Kreisverbandes Main-Kinzig ist. Neben den Amphibien sollen auch gefährdete Kleinfischarten sowie geschützte Insektenarten (z.B. Libellen und Wildbienen) im Schutzgebiet besonders gefördert werden. Gleichfalls soll das Gebiet als Lebensraum des Eisvogels entwickelt werden, ergänzen Rolf und Elke Weber, die das Schutzgebiet ehrenamtlich betreuen.

Eine Bestandsaufnahme, die von der Biologin Sibylle Winkel durchgeführt wurde, bestätigt die positive Einschätzung der Steinauer NABU-Aktiven.

Nach der Revitalisierung der Teichanlagen wurden die Stillgewässer schnell von Teich- und Bergmolchen, Gras- und Wasserfröschen sowie Erdkröten angenommen, die allesamt hier auch erfolgreich reproduzieren, so die Biologin. Zumindest in den benachbarten Bereichen des Schutzgebietes kommt auch der Feuersalamander vor.

Die Zielart "Eisvogel" besucht regelmäßig das kleine NABU-Schutzgebiet und nutzt dieses als Nahrungshabitat. Interessierte Naturbeobachter können mit etwas Glück und Geduld auch auf die Ringelnatter stoßen, die hier reichlich Nahrung findet und vor Nachstellungen sicher ist, berichtet Sibylle Winkel.

Besonders interessant ist die Libellenfauna des kleinen Schutzgebietes, erläutert die Expertin.

Mit bislang 20 nachgewiesenen Arten, darunter beispielsweise das "Große Granatauge", der "Vierfleck" oder die "Gemeine Smaragdlibelle" kann die Libellenfauna des "Amphibienparadieses" insgesamt als überdurchschnittlich artenreich bezeichnet werden.

Es überwiegen "robuste" Arten, die auch mit dem vorhandenen Fischbestand in den Gewässern zurechtkommen. Im NABU-Schutzgebiet können auch typische Fließgewässerlibellen beobachtet werden, die sich in den Teichen nicht vermehren, aber das Amphibienparadies als Jagdrevier aufsuchen. Das gefundene Artenspektrum repräsentiert daher nicht nur die Libellenfauna des "Amphibienparadieses" sondern darüber hinaus die der Ulmbachaue, ergänzt Biologin Winkel.

Sehr interessant ist vor dem Hintergrund der Klimawandel-Diskussion die Zusammensetzung der Libellenfauna hinsichtlich der klimatischen Verbreitungstypen. So stehen 7 kältetolerante Arten nur 3 mediterranen Arten gegenüber. Die Mehrzahl der Arten ist indifferent. Das NABU-Schutzgebiet weist demnach einen hohen Anteil an Arten auf, die künftig in Mitteleuropa unter den Bedingungen des Klimawandels benachteiligt sein werden. Gerade diese Arten benötigen in Zukunft sichere Rückzugsräume.

Das "Amphibienparadies" wird daher vor allem als künftiges Refugium für kältetolerante Libellenarten Bedeutung haben, deren Überlebenschancen durch den Klimawandel in vielen hessischen Regionen zunehmend schwinden. Aufgrund der Speisung der Gewässer durch kühles Quellwasser und durch die schattenreiche Waldrandlage kann das Schutzgebiet diese Bollwerk-Funktion für kältetolerante Arten sicher lange Zeit wahrnehmen, prognostiziert die Biologin.

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