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NABU Wasseramselzählung



Bestand auf niedrigem Niveau stabilisiert - Dürrefrühjahr 2011 zeigt Auswirkungen

Nach dem Bestandstief der letzten Jahrzehnte mit nur noch 106 Brutpaaren im Jahr 2009 konnte der Arbeitskreis Wasseramsel des NABU Kreisverbandes Main-Kinzig im Jahr 2011 wieder 122 Brutpaare zählen. Damit hat sich der Bestand leicht erholt und auf niedrigem Niveau stabilisiert. Zufrieden sind die Naturschützer mit diesem Ergebnis noch nicht. Innerhalb des Verbreitungsgebietes kam es zu Verschiebungen. Eine Ursache sehen die NABU-Experten im Dürrefrühjahr 2011.

"Die Bestandskontrolle 2011 brachte sehr uneinheitliche Ergebnisse", erklärt Horst Basermann, Arbeitskreisleiter Wasseramsel im NABU Kreisverband Main-Kinzig. Deutliche Bestandsrückgänge musste die Zeigerart für intakte Gewässer an der oberen Kinzig und deren Seitenbächen, aber auch an Orb und Sinn verzeichnen. Zuwächse dagegen konnten an der mittleren Kinzig und dem Steinaubach sowie an der Salz und der Gründau mit ihren Seitenbächen beobachtet werden. "Die drei Gewässer im Main-Kinzig-Kreis mit der höchsten Siedlungsdichte sind die Salz, die Jossa und der Steinaubach mit dem Uerzeller Wasser", berichtet Basermann weiter. Unter dem Strich hat sich der Bestand nach seinem Tiefpunkt der letzten Jahrzehnte mit nur noch 106 Brutpaaren im Jahr 2009 mit insgesamt 122 Brutpaaren wieder leicht erholt und auf niedrigem Niveau stabilisiert. Zufrieden sind die Naturschützer des NABU allerdings mit diesem Ergebnis noch nicht, da der Bestand immer noch deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 133 Brutpaaren liegt. Weit über 20 Aktive tragen jedes Jahr aufs Neue für das NABU-Langzeitprojekt Daten aus allen Teilen des Kreises zusammen, um die Entwicklung der Population zu dokumentieren. Neben dem konkreten Artenschutz steht für die ehrenamtlichen Naturschützer das Monitoring der Fließgewässer im Vordergrund.

"Der Wasseramselbestand ist ein Frühwarnsystem für den Zustand der Bäche und Flüsse in den hessischen Mittelgebirgen", betont NABU-Biologin Sibylle Winkel. "Neben dem ökologischen Zustand der Gewässer wirken sich aber auch klimatische Einflüsse auf die Bestandsentwicklung aus. Geht es der Wasseramsel gut, ist auch das Ökosystem in einem guten Erhaltungszustand. Die Langzeitbeobachtungen des NABU liefern deshalb wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse, die auch für die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und der FFH-Richtlinie von Bedeutung sind. Sollte beispielsweise der Bestand im Main-Kinzig-Kreis dauerhaft unter 120 Brutpaare sinken, wäre das ein deutliches Alarmsignal", so die Biologin. Eine Hauptursache für die uneinheitlichen Ergebnisse in den Gewässern des Main-Kinzig-Kreises sehen Horst Basermann und Sibylle Winkel in den Auswirkungen des Dürrefrühjahres 2011. Die über mehrere Monate ausbleibenden Niederschläge sorgten im Frühjahr 2011 für sehr geringe Wasserstände vor allem an den Oberläufen der Gewässer. Betroffen waren vor allem die obere Kinzig und ihre Nebengewässer, aber teilweise auch die Orb und die Sinn mit ihren Nebengewässern. "Viele Wasseramseln begannen hier aufgrund der für sie prekären Nahrungssituation gar nicht erst mit dem Brüten. Einige der Tiere sind sicher auf die mehr Wasser führenden die Mittel- und Unterläufe ausgewichen", vermutet Biologin Sibylle Winkel. Das zumindest legen die Bestandszuwächse an der mittleren Kinzig oder auch der Gründau und der Bieber nahe. Es bleibt abzuwarten, ob die Oberläufe im Jahr 2012 bei besserem Wasserstand wieder vollends rückbesiedelt werden, so Basermann und Winkel. Zur Erweiterung des Beobachternetzes im Main-Kinzig-Kreis und dem Stadtgebiet Hanau sucht der NABU noch Wasseramselfans und Naturbeobachter, die ein- oder zweimal im Jahr eine Bestandskontrolle durchführen.

Interessierte können sich bei Horst Basermann melden: Tel. 06663 - 5351.
Weitere Informationen auch unter www.nabu-mkk.de

Der ehrenamtliche Arbeitskreis Wasseramsel des NABU kann durch Spenden unterstützt werden:

NABU Spendenkonto:
Raiffeisenbank Main-Kinzig
BLZ: 506 616 39
Konto-Nr.: 3730018
Stichwort: Wasseramsel

Rückfragen bitte an:

Sibylle Winkel und Dr. Matthias Kuprian
Tel. 069-84 84 91 85 oder mobil 0173 3751580


Den Wasseramselbericht 2011 finden sie hier


Hintergrundinformationen:
Bereits seit über einem halben Jahrhundert bemüht sich der NABU im Main-Kinzig-Kreis um den Erhalt der Art. Der 1958 von Raimer Thienhaus gegründete Arbeitskreis Wasseramsel des NABU fand im Kreisgebiet zunächst nur wenige Brutpaare vor, da der Wasseramselbestand zur Mitte des letzten Jahrhunderts bundesweit seinen Tiefpunkt erreicht hatte.
Die allgegenwärtige Wasserverschmutzung, der Verlust an Brutplätzen aber auch die Nachwirkungen direkter Verfolgung hatten der Vogelart schwer zugesetzt. Noch bis in die 1950er Jahre wurde die Wasseramsel als vermeintlicher Fischräuber verfolgt und geschossen. Ein anderer Grund des Bestandsrückgangs war der Verlust an Brutmöglichkeiten. Alte Steinbrücken, Wehre und Mühlen, die mit ihren Mauernischen Jahrhunderte lang ideale Nistmöglichkeiten boten, wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr beseitigt oder durch nischenfreie Betonkonstruktionen ersetzt.
Hier konnte der NABU ansetzen. Mit speziell angefertigten Nistkästen, die vor allem unter Brücken, aber auch an Bäumen überall im MKK angebracht wurden, fanden die Tiere eine neue Heimat. Der soziale Wohnungsbau für Wasseramseln sprach sich unter den Tieren schnell herum. Heute brüten über 90 % der Tiere in den Nistkästen des NABU. Spätestens seit Mitte der 1980er Jahre ist der Bestand im MKK wieder weitgehend stabil und bewegt sich im Rahmen normaler Bestandsschwankungen jährlich zwischen etwa 120 und 150 Brutpaaren. Die Stabilisierung dieser Zeigerart für intakte Mittelgebirgsbäche und -flüsse ist daher eine Erfolgsgeschichte des hessischen Naturschutzes.
Über 300 Spezial-Nistkästen stehen aktuell den Tieren im MKK an über 40 Fließgewässern mit einer Länge von 340 Kilometern zur Verfügung. Rund 40% und mehr der Kästen sind normalerweise von Wasseramseln bewohnt. Gelegentlich nutzen auch andere Vogelarten wie Zaunkönig, Bach- und Gebirgsstelze die Luxusbehausungen. Die meisten Tiere brüten im Main-Kinzig-Kreis entlang der Bäche und Flüsse, die von Spessart, Rhön und Vogelsberg der Kinzig zufließen. Hier finden die Tauchvögel klares Wasser mit einer optimalen Sichttiefe sowie Kies und Geröll als Substrat. Auch die Kinzig selbst bietet in ihrem Ober- und Mittellauf zahlreichen Brutpaaren genug Nahrung.

Bestandstiefe erst teilweise überwunden



NABU Main-Kinzig nach Wasseramselzählung nur teilweise zufrieden

Die Wasseramsel ist der Charaktervogel der Bäche und Flüsse unserer Mittelgebirge (Foto: NABU Archiv/Rolf Jürgens)

Die Wasseramsel ist der Charaktervogel der Bäche und Flüsse unserer Mittelgebirge (Foto: NABU Archiv/Rolf Jürgens)

"Der Bestand hat sich zwar etwas erholt, aber zufrieden sind wir mit dem Ergebnis noch nicht", erklärt Horst Basermann, Arbeitskreisleiter Wasseramsel im NABU Kreisverband Main-Kinzig. Nur 2009 gab es im Main-Kinzig-Kreis mit nur 33 Prozent besetzter Nistplätze noch weniger Brutpaare. Im Jahr 2010 waren immerhin wieder 37 Prozent der vom NABU bereit gestellten künstlichen Nisthilfen von Wasseramseln belegt. Dies ist aber das zweitschlechteste Ergebnis seit der Bestand im Jahr 1988 regelmäßig überwacht wird, ergänzt Basermann.

Rund 320 Spezial-Nistkästen stehen aktuell den Tieren im MKK an über 40 Fließgewässern mit einer Länge von 340 Kilometern zur Verfügung. Rund 40 Prozent und mehr der Kästen sind normalerweise von Wasseramseln bewohnt. Gelegentlich nutzen auch andere Vogelarten wie Zaunkönig, Bach- und Gebirgsstelze die Luxusbehausungen. Die meisten Tiere brüten im Main-Kinzig-Kreis entlang der Bäche und Flüsse, die von Spessart, Rhön und Vogelsberg der Kinzig zufließen. Hier finden die Tauchvögel klares Wasser mit einer optimalen Sichttiefe sowie Kies und Geröll als Substrat. Auch die Kinzig selbst bietet in ihrem Ober- und Mittellauf zahlreichen Brutpaaren genug Nahrung.

Im flachen Westkreis dagegen dünnt die Population aus. In den Sandbächen der Niederung kann sich der Vogel beim Tauchen nicht im Substrat festkrallen; zudem ist das Nahrungsangebot in diesen Gewässern nicht ausreichend. Die Kinzig selbst ist in ihrem Unterlauf zu tief und zu trüb für die nach Wasserinsekten tauchenden Tiere.

Weit über 20 Aktive tragen jährlich für das NABU-Langzeitprojekt Daten aus allen Teilen des Kreises zusammen, um die Entwicklung der Population zu dokumentieren. Neben dem konkreten Artenschutz steht für die ehrenamtlichen Naturschützer das Monitoring der Fließgewässer im Vordergrund.

Der Wasseramselbestand ist ein gutes Frühwarnsystem für den Zustand der Fließgewässer in den Mittelgebirgslagen, betont NABU-Biologin Sibylle Winkel. Geht es dem Wasseramselbestand gut, ist auch das gesamte Ökosystem in einem guten Erhaltungszustand. Die Langzeitbeobachtungen des NABU liefern deshalb sehr wichtige Datenreihen und wissenschaftliche Erkenntnisse, die auch für die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und der FFH-Richtlinie von Bedeutung sind. Sollte der Bestand im Main-Kinzig-Kreis dauerhaft unter 120 Brutpaare sinken, wäre das ein deutliches Alarmsignal, so die Biologin.

Als Hauptursache für das Bestandstief vermuten Basermann und Winkel die strengen Winter der vergangenen Jahre. Auch vereinzelte Verluste durch den kletterfreudigen Waschbär können nicht ganz ausgeschlossen werden. Allerdings sind die meisten Nistkästen beispiels weise unter Brücken so angebracht, dass die nordamerikanischen Neubürger diese nicht erreichen können.

Noch ist die Talsohle des Wasseramselbestandes nicht durchschritten, bedauert Basermann. Nach dem Bestandstief mit nur noch 106 Brutpaaren im Jahr 2009 konnten 2010 aber immerhin wieder 117 Brutpaare verzeichnet werden, so Horst Basermann. Wir müssen uns also bis 2012 gedulden, um zu sehen, ob sich der Bruterfolg des kleinen Tauchvogels wieder normalisiert.

Zur Komplettierung des Beobachternetzes im Main-Kinzig-Kreis sucht der NABU noch Wasseramselfans und Naturbeobachter, die ein- oder zweimal im Jahr eine Bestandskontrolle durchführen.

Interessierte können sich bei Horst Basermann melden: Tel. 06663 - 5351.

Weitere Informationen zum Wasseramsel-Monitoring des AK.


Den Wasseramselbericht 2010 finden sie hier

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